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Der Wettergott hatte ein Einsehen – 13.05.2017 – Aktionstag der EBI gegen Glyphosat in Prenzlau


Heute fand ein EU-weiter Aktionstag der ‚Europäischen Bürgerinitiative‘ EBI statt, bei dem Unterschriften für ein Verbot von Gylphosat gesammelt wurden. Die europäische Bürgerinitiative verfolgt das Ziel, die Europäische Kommission dazu zu bringen, eine Gesetzesinitiative zum Stopp dieses Pflanzengifts zu starten.

Ziel der EBI ist es, Glyphosat aus dem Verkehr zu ziehen und unabhängige Genehmigungsverfahren für Pestizide einzuführen. Innerhalb eines Jahres braucht die EBI mindestens eine Million Unterstützerinnen und Unterstützer aus mindestens sieben verschiedenen EU-Ländern.

Das Pflanzengift Glyphosat tötet alles Grün auf dem Acker, gefährdet Böden und Grundwasser, die menschliche Gesundheit und zerstört die Artenvielfalt. Glyphosat ist für Menschen laut der Weltgesundheitsorganisation ‚wahrscheinlich krebserregend‘. Doch ein Verbot des Pflanzengiftes durch die Bundesregierung wurde von der Agrar- und Chemielobby bisher erfolgreich blockiert.

Deshalb haben Regine Kik und Birgit Bader von den Uckermärker Grünen und ich von 10h bis 12h einen Infostand in der Prenzlauer Fußgängerzone, Kleine Friedrich Str./ Ecke Steinstraße aufgebaut und das Gespräch mit den Bürgern gesucht.

Eigentlich war furchtbares Wetter angesagt und tatsächlich hat es auf dem Weg von Bernau nach Prenzlau heftig geregnet. Aber der Regen hörte rechtzeitig auf und das vorsorglich eingesteckte Partyzelt konnte im Auto bleiben.

Obwohl nicht gerade Menschenmassen durch die Fußgängerzone zogen, wurde der Infostand unerwartet positiv aufgenommen. Viele Mitbürger aus allen Generationen waren an dem Thema Glyphosat interessiert, hatten aber auch bereits zum beträchtlichen Teil die EBI online mitgezeichnet. Diese Bürger kamen für eine Mitzeichnung natürlich nicht in Betracht. Teilweise kamen Passanten unaufgefordert auf uns zu, um die Listen mitzuzeichnen oder schickten noch Angehörige zu uns.
Wir hätten manchmal noch mehr Leute am Stand gebraucht, weil mehr Andrang war, als wir abarbeiten konnten.

Es ergaben sich darüber hinaus auch viele Gespräche, die über das Thema Pestizide in der Landwirtschaft hinausgingen. Z.B. Windkraft, Zeitmangel von Studenten als Folge der Bologna-Reform – eine Klage, die man viel hört und die im Übrigen auch erklärt, warum im Vergleich zu früheren Studentengenerationen so vergleichsweise wenig gesellschaftliches Engagement festzustellen ist. Die jungen Leute haben – zumindest in den naturwissenschaftlichen Studiengängen – schlicht keine Zeit mehr für etwas anderes, als ihr Studium und knappe Laborplätze in Anspruch zu nehmen.

Eine betagte Frau – erkennbar noch fit im Kopf aber körperlich gebrechlich – artikulierte ihre Angst vor dem Pflegeheim und Angst vor Vereinsamung. Ein Mann mittleren Alters freute sich darüber, dass die Grünen wieder sichtbar seien und informierte sich über meine Kandidatur. Ein weiterer Bürger thematisierte das Spannungsfeld zwischen geringen Einkommen und Lebensmittelpreisen. Diesem Bürger stellte ich die Gegenfrage, ob es tatsächlich fair ist, Landwirte durch niedrige Erzeugerpreise unter Druck zu setzen und zu zwingen, für das wirtschaftliche Überleben umweltschädliche Praktiken einzusetzen, oder ob der eigentliche Skandal nicht viel mehr darin liegt, dass es in unserem reichen Land Menschen gibt, die von ihrer Hände Arbeit nicht leben können. Hierfür erhielt ich Zustimmung.

Anderen Mitbürger, die sich beklagten, dass die Umwelt vor die Hunde geht, habe ich deutlich gemacht, dass Politik ein Ergebnis von Mehrheiten ist und dass man Grün wählen muss, wenn man grüne Politik tatsächlich umgesetzt haben möche. Wahlverweigerung oder andere Parteien zu wählen ist jedenfalls kein Weg, der zur Stärkung des grünen Gewichts führt.

Am Ende der zwei Stunden hatten wir 10 ausgefüllte Unterschriftenbögen erarbeitet, eine ganze Reihe von Kandidatenflyern und Sonnenblumen-Samentüten unter die Leute gebracht und das Gefühl, einen erfolgreichen Vormittag gehabt zu haben.

 

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