PM: Fairness und Wertschätzung gesucht

Pressemeldung vom 28.07.2017

Am Abend des 25.07.2017 traf sich der Direktkandidat von Bündnis90/ Die Grünen im Wahlkreis 57 (Uckermark/ Barnim I), Thomas Dyhr, mit dem Vorstand des Bundes Deutscher Einsatzveteranen e.V. zu einem Gespräch über Probleme ehemaliger Bundeswehrsoldaten.

Der Bund Deutscher Einsatzveteranen e.V. unterscheidet sich von vergleichbaren Organisationen durch seine ausschließlich soziale Ausrichtung als Hilfsorganisation für ehemalige Bundeswehrsoldaten mit psychischen und gesundheitlichen Problemen. Der Verband grenzt sich scharf ab von rechten, bzw. verfassungswidrigen Tendenzen.

Während Berufs- und aktive Soldaten eine gute medizinische Betreuung genießen, ist die Bundeswehr für ausgeschiedene Soldaten – insbesondere Zeitsoldaten – nicht mehr zuständig. Posttraumatische Belastungsstörungen als Folge traumatischer Einsatzerlebnisse können aber auch Jahre nach dem auslösenden Ereignis und nach dem Ausscheiden aus dem Dienst auftreten. Damit geraten die betroffenen Menschen in der Beweispflicht. Je länger der Zeitraum zwischen dem Ereignis und der Diagnose liegt, umso schwieriger gelingt der Nachweis der Kausalität der Erkrankung.
Diese psychischen Erkrankungen wirken bei den betreffenden Personen und in deren Familien nicht weniger einschneidend, als körperliche Versehrungen und können zum Zerbrechen von Familien, zur Arbeitsunfähigkeit, Alkoholismus und sozialer Verwahrlosung führen.

„Die Beispiele, die von unseren Gesprächspartnern geschildert wurden, waren eindrucksvoll und belegten den Leidensdruck, unter dem die betroffenen und deren Familien stehen…“ berichtete Thomas Dyhr nach dem Gespräch. „Besonders die Kinder leiden in einer solchen familiären Situation unendlich und benötigen Beistand, weil die Sicherheit und Geborgenheit der Familie, welche sie für ihre gesunde Entwicklung brauchen, einschneidend beeinträchtigt sind…“

Der gefährdete Personenkreis umfasst ca. 10.000 ehemalige Einsatzsoldatinnen und Soldaten jährlich. Deutliche Verbesserungen der Situation verspricht das neue „Konzept zur Betreuung von ehemaligen Angehörigen der Bundeswehr, die unter Einsatzfolgen leiden“ des Bundesministeriums der Verteidigung vom 06.06.2017. Dieser Erlass muss allerdings noch mit Leben erfüllt werden, weil die darin geforderten Strukturen erst aufgebaut werden müssen.

Der Veteranenverband arbeitet bis auf einen geringfügig Beschäftigten im Hauptstadtbüro ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis. Alle vorhandenen finanziellen Mittel aus Mitgliedsbeiträgen und Zuwendungen fließen in die Hilfeleistung. Die Mitgliedschaft ist keine Voraussetzung für den Empfang von Hilfen.
Es wirken ca. 1.000 Aktive inkl. Familienangehörige mit. Darunter arbeiten bundesweit 40 ehrenamtliche Fallmanager, welche die Aufgabe haben, professionelle Hilfe zu koordinieren.
Fallmanager koordinieren die verschiedenen professionelle Hilfsangebote und entlasten die Betroffenen. „In ganz Brandenburg gibt es derzeit noch keine Fallmanager… „ berichtete Thomas Dyhr nach dem Gespräch. „Besondere Qualifikationen benötigen Fallmanager nicht, sondern vor allem Empathie und Bereitschaft, sich einzubringen. Organisatorisches Talent ist dabei für die Tätigkeit sicherlich nicht von Nachteil…“ beschreibt der Kandidat die Anforderungen an Interessenten.

Breiten Raum im Gespräch nahm die Klage über mangelnde Wertschätzung der Politik und Gesellschaft für die Soldatinnen und Soldaten und ihre Leistungen ein. „Hierzu Abhilfe zu schaffen ist in unserer Gesellschaft sicherlich das dickste Brett, das zu bohren ist. Gesellschaftliche Respekt und Wertschätzung kann man nicht erzwingen. Sie muss wachsen…“ kommentierte Thomas Dyhr dieses nachvollziehbare Anliegen. „Krieg, Gewalt und Tod sind Dinge, womit sich unsere Gesellschaft nach zwei verlorenen Weltkriegen nach wie vor schwertut. Krieg, Gewalt und Tod sind aber Teile der Lebensrealität, vor der man sich als politisch denkender Mensch nicht drücken darf.

Mangelnde gesellschaftliche Anerkennung für die Soldatinnen und Soldaten ist geeignet, eine gegen die Gesellschaft gerichtete „wir gegen die-Haltung“ in der Truppe zu erzeugen. Das ist eine Haltung, die sich ihre Anerkennung innerhalb der Truppe holt und sich von gesellschaftlicher Anerkennung immunisiert. Eine solche Haltung tut einer Parlamentsarmee in einem demokratischen Staat nicht gut…“

Einen denkbaren Lösungsweg, das erkennbar werdende Spannungsfeld aufzulösen und eine Debatte über Wertschätzung zu ermöglichen, sieht der Kandidat in einer Entkoppelung der Diskussion. Die Pole Krieg und Gewalt auf der einen Seite und das Thema Soldat als Mensch und Teil der Gesellschaft und seiner Familie auf der anderen Seite gehören nicht zwingend zusammen. Diese Themen können durchaus separat betrachtet werden.

„Es geht bei einer Debatte über Wertschätzung absolut nicht darum, Soldatinnen und Soldaten und ihr Tun zu glorifizieren. Es geht darum, sie aus einer selbst so gefühlten gesellschaftlichen „Igitt-Ecke“ zu holen, wo sie als Mensch sicherlich nicht hingehören. Ein Dankeschön kostet nichts, ist aber kostbar.“

Thomas Dyhr bedankte sich bei seinen Gesprächspartnern für die große Offenheit und Unvoreingenommenheit.