Stellungnahme zum Artikel in der Templiner Zeitung – „Schade um den schönen Ökostrom“: Man kann es auch ganz anders sehen

In der Templiner Zeitung vom 10.08.2017 wurde eine kritikwürdige Darstellung gegeben, über das Missverhältnis zwischen erzeugtem Windstrom und der Möglichkeit, diesen abzuleiten.

Hierzu nahm der bündnisgrüne Direktkandidat im Wahlkreis 57, Thomas Dyhr, in seiner Pressemeldung vom am 10.08.2017 wie folgt Stellung:

„Die von Claudia Marsal in ihrem Artikel beschriebenen Probleme mit der Ableitung des Windstroms bestehen tatsächlich, und sind in der Tat zum großen Teil hausgemacht. Durch das politisch gewollte Festhalten an der klimaschäd­lichen Braunkohleverstromung werden die Netze Brandenburgs so stark belastet, dass für die Ableitung des Windstroms zu geringe Kapazitäten bestehen.“

Gutachter des Beratungsunternehmens Consentec stellten Anfang 2016 in einer Studie fest, dass in Zeiten hoher Ökostromproduktion und niedrigen Verbrauchs in Deutschland zwar die Preise an der Strombörse in den negativen Bereich fallen. Damit müssen die Betreiber fossiler Kraftwerke für jede erzeugte und eingespeiste Kilowattstunde sogar Geld bezahlen.

Aber annähernd 30 Gigawatt, das entspricht immerhin einem Drittel des maximalen Strombedarfs in Deutschland, bleiben ungeachtet allen erzeugten Windstroms trotz negativer Rendite immer am Netz. Stattdessen werden Windparks abgeschaltet. Nur ein kleiner Teil dieser Mindestproduktion ist mit den technischen Notwendigkeiten des Stromnetzes erklärlich.

Das Gros ist der mangelnden Flexibilität der Kern- und Kohlekraftwerke geschuldet. Technisch ist es gar nicht oder nur unter teurem Verschleiß der Anlage möglich, konventionelle Kraftwerke ganz herunterzufahren. Es ist für die Betreiber konventioneller Kraftwerke folglich wirtschaftlicher, den negativen Preis an der Strombörse zu bezahlen, als die Kraftwerke vom Netz zu nehmen.

„Selbst wenn es die Brandenburgische Landesregierung nicht hören will und mantraartig die Notwendigkeit der Kohleverstromung betont. Es ist so, dass die Braunkohleverstromung nicht nur die völkerrechtlich vereinbarten Klimaziele konterkariert, sondern auch die unvermeidlich notwendige Energiewende bremst. Die brandenburgische Landesregierung soll endlich die viel zu lange verschleppten Hausarbeiten machen und einen sinnvollen Plan für die Wirtschaft in der Lausitz vorlegen, statt regungslos wie ein Kaninchen auf die Schlange des unweigerlichen Strukturwandels mit zurückgehender Bedeutung des Braunkohleabbaus zu starren.“ sagte der Thomas Dyhr.

Der Ausbau der Uckermarkleitung von 50Hertz wurde in der Tat auf juristischem Weg blockiert, aber das nicht ohne Grund. Die Planung wurde offenbar ausschließlich unter der Prämisse von Wirtschaftlichkeit ohne Rücksicht auf Belange von Mensch und Natur vorangetrieben.
Im Planfeststellungsverfahren wurden alle sinnhaften Einwände weggewogen. „Wer so plant, braucht sich über die juristische Aufhebung des Planwerks nicht zu wundern. Es ist bedauerlich, dass auf diese Art und Weise wertvolle Zeit verloren ging…“ führt Thomas Dyhr weiter aus.

Es ist aber nicht so wie von Frau Marsal in dem Zeitungsartikel beschrieben, dass keine Alternativen bestünden.

Das Windenergie-Unternehmen Enertrag betreibt in Prenzlau (Uckermark) seit 2014 das weltweit erste Kraftwerk, das neben Strom und Wärme auch sogenanntes ,,Windgas“ erzeugt. In dem Hybridkraftwerk wird in verbrauchsarmen Zeiten der überschüssige Strom aus Windanlagen genutzt, um Wasser mittels Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten.

Enertrag hat in der Uckermark zudem ein Hochspannungs-Einspeisenetz für Strom aus erneuerbaren Energien errichtet, um sich von eingeschränkten regionalen Netzkapazi­täten unabhängig zu machen. Es transportiert nach bisherigem Stand 361 MW Gesamteinspeiseleistung aus Biogas und Windenergie direkt in das ein das europäische Höchstspannungs-Verbundnetz, das den erneuerbaren Strom anschliessend an Verbraucher im ganzen Bundesgebiet verteilt.
Reine Einspeisenetze wie das Enertrag-Netz sind für den Ausbau erneuerbarer Energien ebenso effektiv, können aber laut Enertrag schneller und kostengünstiger als herkömmliche Versorgungs­netze errichtet und ausgebaut werden.

Vor diesem Hintergrund erscheint es dem Kandidaten doch sachdienlicher zu sein, wenn der Prenzlauer Stadtwerke-Chef über die Sinnhaftigkeit von technischen Kooperationsmöglichkeiten seines Unternehmens mit Enertrag nachdenken würde, als öffentlich über energiewendebedingte Preisanpassungen oder „politische Strompreise“ zu spekulieren. „Politische Strompreise“ haben die Verbraucher vielmehr schon heute.

Thomas Dyhr führte hierzu aus: „…Auf politischer Ebene ist endlich dafür Sorge zu tragen, dass die milliardenschweren Industrie­-Rabatte bei den Netzdurchleiteentgelten abgeschafft werden, mit denen die privaten Haushalte die stromintensive Industrie subventionieren. Zwischen 2012 und 2016 haben sich die Netzentgelt-Subventionen für stromintensive Unternehmen auf rund 3,4 Milliarden Euro summiert, 2016 betrug die Umlagenhöhe rund 897,5 Millionen betragen. Für 2017 wird eine zusätzliche Belastung der Verbraucher in Höhe von 1,115 Mrd. € erwartet.

Die Abschaffung dieser unsozialen Umverteilung von unten nach oben hat einen erheblichen Anteil an den Stromkosten jedes einzelnen Haushalts und ist nicht fair…“