Dahin gehen, wo es weh tut – Besuch bei Windkraftgegnern in Crussow

Bei der Podiumsdiskussion am 17.06.2017 in Chorin fiel mir im Publikum eine Reihe von Männern auf, die den Abend ganz gezielt in Richtung Windkraft lenkten und erkennbar kritische Standpunkte zur Energiewende vertraten.

Wie ich herausfinden konnte, handelte es sich hierbei um Vertreter einer Bürgerinitiative aus Crussow – einem Dorf, das am Rand des Nationalparks Unteres Odertal liegt und zu Angermünde gehört. Da seitens dieser Herren die Behauptung aufgestellt worden war, dass im Rahmen des sogenannten Repowerings in 500 bis 800 Metern von der Wohnbebauung Windräder mit einer Nabenhöhe von 200 Metern aufgebaut worden seien, habe ich mit dem Sprecher der Bürgerinitiative, Herrn Ebeling, Kontakt aufgenommen und um einen  Vor-Ort-Termin gebeten. Das wollte ich mir persönlich anschauen. Dieser Termin fand heute statt. Gemeinsam fuhren Herr Ebeling und ich in den Windpark, der nahe Crussow liegt.

Ja – es sind Windräder von Crussow aus zu sehen. Nein – sie stehen keine 500 bis 800 Meter von der Wohnbebauung entfernt, sondern sie haben teilweise sogar weitere Abstände, als gefordert.

Ja – es sind auch weiter entfernt stehende Windräder zu sehen. Nein – eine unmittelbare Belastung für die Bewohner von Crussow ist nicht auch nur ansatzweise vorstellbar. Über eine optische Beeinträchtigung des Landschaftsbildes mag man streiten können.
Im Vergleich zu den Verwüstungen und Folgeschäden für Umwelt, die von den Braunkohletagebauen in der Lausitz ausgehen, erscheinen mir die optischen Beeinträchtigungen allerdings vertretbar.

Herr Ebeling erklärte mir, dass den zuständigen Behörden in den Genehmigungsverfahren Hinweise auf das Vorkommen geschützter Tierarten gegeben worden und ignoriert worden seien. Ja – unterstellt, dem war so, dann ist das kritikwürdig und darf auch nicht wortlos übergangen werden. Nun sind die stehenden Anlagen aber Fakt und werden wegen eines fehlerhaften Genehmigungsverfahrens auch sicherlich nicht abgebaut werden.

Herr Ebeling erwies sich im Gespräch als vehementer Gegner der Energiewende, den weder Klimaschutzgedanken, noch andere Argumente zu überzeugen vermögen und der auch die Atomkraft trotz aller Gefahren fortführen möchte.

Dieser Dissens war nicht auflösbar und er wird auch nicht auflösbar sein. Wir haben uns aber immerhin gedanklich ausgetauscht und Herr Ebeling konnte die Befindlichkeiten der in der Bürgerinitiative organisierten Menschen in Crussow artikulieren. Aber er hat mich nicht zu überzeugen vermocht.

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