Urheber: Michael Mass

Krieg macht nichts besser… auch wenn Bilder unerträglich sind

05.04.2017:

Gestern haben Presseberichten zufolge Truppen des Syrischen Despoten Assad Giftgas gegen die eigene Bevölkerung in Chan Scheichun eingesetzt. Die Urheberschaft Assads ist jedoch noch nicht erwiesen, sondern wird aufgrund der Gesamtumstände vermutet.

Angesichts des schrecklichen Kriegsverbrechens wurde im TAGESSPIEGEL ein Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff veröffentlicht, in dem ziemlich offen eine militärische Intervention gefordert wird.

Ich habe dazu eine ganz andere Auffassung.

Ja – dieser Krieg ist furchtbar und bringt immer neue Kriegsverbrechen und Leid hervor.

Ja – dieser Krieg erzeugt Fluchtbewegungen, welche die Nachbarländer, aber auch Europa betreffen und in ihrer menschlichen Tragödie kaum erträglich sind.

Ja – die Dynamik dieser kriegerischen Auseinandersetzung beinhaltet auch das Potential, den ganzen Nahen Osten weiter zu destabilisieren.

Aber welche Erfahrungen wurden denn bisher mit solchen militärischen Interventionen gemacht?

  • Die USA marschierten im Irak ein und beseitigten das furchtbare und verbrecherische Regime von Saddam Hussein. Geblieben ist ein komplett destabilisiertes Land im Bürgerkrieg, der bis heute andauert und letztlich den IS hervorbrachte, dessen Ausdehnungstendenzen als schrecklicher Machtfaktor mit militärischen Mitteln bekämpft wird. Der Kampf gegen den IS ist eine asymmetrische Auseinandersetzung, die weitere Länder destabilisiert.
  • Die USA haben – u.a. zusammen mit Deutschland – in den Krieg in Afghanistan eingegriffen. Die Folge war eine nur vorübergehende Sitzungsverbesserung. Mittlerweile ist das Land erneut in Chaos und Gewalt versunken. Ganze Generationen haben nie etwas anderes kennengelernt als Gewalt und Krieg und die ausländischen Truppen sind nach wie vor in Afghanistan stationiert.
  • In Libyen wurde der kriminelle Machthaber Gaddafi mit militärischen Mitteln beseitigt. die Folge ist ein gespaltenes Land im Bürgerkrieg.

Die Kosten-/ Nutzenanalyse dieser militärischen Interventionen ist erbärmlich. Die Zustände wurden nicht besser, sondern verschlechterten sich eher und brachten einen intensiveren internationalen Terrorismus hervor, als es ihn schon vorher gab. Und daraus sollten wir endlich lernen.

Was soll denn auch tatsächlich besser werden, wenn sich europäische Truppen oder amerikanische Truppen noch tiefer als bisher in das „Jeder (Stellvertreter) gegen Jeden (Stellvertreter)“ in Syrien einmischen und sich auch noch in den verknoteten Interessen anderer Mächte – wie z.B. Russlands – in gefährlicher Art und Weise verheddern?
Außer eigenen Verlusten und gesteigerten Aktienkursen der Rüstungsindustrie wegen der zu erwartenden Umsatzsteigerung sehe ich keinen Effekt – keine Befriedung, sondern ausschließlich menschliches Leid auf allen Seiten und allenthalben noch größere Ausweitungstendenzen, weil der Krieg eine neue Dynamik erführe.

Deswegen bin ich fest davon überzeugt, dass eine Intervention trotz aller unerträglichen Bilder ein Irrweg wäre.
Deswegen finde ich auch das jüngste Säbelrasseln des amerikanischen Außenministers wenig hilfreich.

Richtig wäre es, sämtliche im Ausland gelagerten Vermögenswerte des Assad-Clans und seiner Hofschranzen, soweit noch nicht geschehen, zu beschlagnahmen und für den späteren Wiederaufbau des Landes zu sichern. Assad und seine Hofschranzen gehören in Den Haag vor Gericht gestellt, soweit man ihrer habhaft werden kann – und sei es in 10 oder noch mehr Jahren.

Krieg verändert Dinge – ob’s am Ende eine Veränderung zum Guten wird, kann niemand vorhersagen. Ich wage es allerdings zu bezweifeln.

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