Internierungslager Nordafrika?

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist zur Zeit bemüht, die Maghreb-Staaten davon zu überzeugen, sich als großes Internierungslager herzugeben, um die Flüchtlingsströme von Europa fernzuhalten. Damit soll der Zuwanderungsdruck auf Europa vermindert, sollen die Menschen davon abgehalten werden, sich auf seeuntüchtigen Booten auf die Überfahrt nach Europa zu begeben.

Der Widerstand der nordafrikanischen Staaten ist für mich nachvollziehbar. Die in Nordafrika strandenden Flüchtlinge mit dem Ziel Europa sind eine starke Belastung für die fragilen Gesellschaften in Nordafrika, welche mit sich selber genug zu tun haben und selber Herkunftsland für Armutswanderung sind.

In Libyen herrscht zudem seit dem Krieg ein gesetzloses Machtvakuum, in dem sich Schlepperbanden vorzüglich eingenistet haben und kein ernst zu nehmendes Gegengewicht zur allgemeinen Gesetzlosigkeit wahrzunehmen ist. Mit wem soll man da überhaupt verhandeln?

Kind am Rande des Flüchtlingslagers Dadaab (Kenia) vor Gräbern in denen 70 Kinder beerdigt wurden, die an Unterernährung verstarben./ Rechteinhaber: OXFAM East Africa

Das Wohlstandsgefälle und die teilweise erbärmlichen Lebensumstände in Afrika sind der Motor, der die Fluchtbewegungen treibt. Mauern haben immer zwei Seiten – eine stärker belastete und eine entlastete Seite.
Der Ansatz, die europäischen Probleme mit Hilfe von Abschottung auf die armen Gesellschaften jenseits der Mauer auszulagern, muss zwangsläufig scheitern. Es schafft Abhängigkeiten, wird nicht funktionieren, sondern schafft am Ende noch größere Probleme.

Ein taugliches Mittel zur Verhinderung von Armutswanderung ist nur die nachhaltige Verbesserung von Lebensperspektiven der Menschen in den Heimatländern; die Verringerung des Wohlstandsgefälles.
Selbst wenn es sicherlich schwer ist und von vielen mitwirkenden Faktoren – insbesondere korrupten Herrschaftsformen – abhängig ist, sehe ich dazu keine Alternative. 

Investitionen in Afrika sind in meinen Augen daher sinnvoller, als Aufrüstung.