Urheber: Hanno Böck

Nach mir die Sintflut

Die Zeit der fossilen Brennstoffe ist vorbei. Die alternativen Energiequellen erobern den Markt. Mit herkömmlichen Energien ist kein großes Geld mehr zu verdienen. Dafür stehen aber große Sanierungslasten an, die man als Unternehmen zu zu gerne los wird – am Besten an den Staat… Man will ja verdienen und nicht dienen.VATTENFALL wählte den Weg, die Braunkohlesparte dem Tschechischen Finanzinvestor EPH zu verkaufen. Vattenfall überträgt drei Braunkohlekraftwerke und vier Tagebaubetriebe für einen symbolischen Verkaufspreis an PPH. Ein viertes Kraftwerk wird gemeinsam mit EnBW betrieben. Zu allem Überfluss gibt es noch eine Bar-Mitgift von 1,7 Mrd. €. Warum wohl?

Doch sicherlich nicht, weil die Tschechen die tollen Kaufleute sind, die alles viel besser machen, als die Schweden. Wären die Gewinnerwartungen höher, als die Sanierungslasten, könnten die Schweden das Geschäft doch auch weiter betreiben.

Dieser Deal wird wohl nicht zu Unrecht als gefährlich angesehen. Es wird befürchtet/ geradezu erwartet, dass EPH dem Unternehmen die Rückstellungen für die Sanierungslasten entziehen und anschließend den ausgesaugten Rest in die Insolvenz schickt. Es ist vor diesem Hintergrund nach meiner Überzeugung sträflich leichtsinnig, dass die brandenburgische Landesregierung auf angemessene Sicherheitsleistungen von EPH verzichtet und die Tschechen einfach machen lässt. Brandenburg verlangt bei der Prüfung für Rückstellungen lt. RBB bislang „auch rein bilanzielle Posten, also fiktive Werte des Unternehmens. Es verlangt aber kein eigenes Konto, auf dem nur das reale Geld für die Sanierungen hinterlegt und gesichert werden muss.“
Bei einer Insolvenz sind derartige Rückstellungen verloren.

Nach meinem Dafürhalten ist dieser Leichtsinn auf eine Politik nach dem Hoffnungsprinzip zurück zu führen… Hoffen wir mal, dass es gut geht. Wenn es nicht gut geht, bin ich gespannt, wie fest der Kleber an den Stühlen der Landesregierung ist. Meiner Meinung nach wäre ein Scheitern dieser Politik wegen seiner wirtschaftlichen Vorhersehbarkeit ein glatter Rücktrittsgrund für die gesamte Landesregierung samt Ministerpräsidenten.

E-on macht’s anders. E-on behält das Ökostromgeschäft und gliederte seine Problemsparten schlicht in ein neues Unternehmen namens UNIPER aus, dass unlängst separat an die Börse gebracht wurde. Von Analysten auf 15,00 € taxiert erreicht die UNIPER-Aktie diesen Wert am ersten Börsentag mit 10,30 € nicht auch nur annähernd.

Das Manager-Magazin schreibt: „…Die Aktien der Muttergesellschaft Eon schlossen derweil knapp 15 Prozent im Minus bei 6,95 Euro. Bereinigt um die Abspaltung waren es allerdings nur 3,2 Prozent Verlust. Eon hat die Mehrheit am Unternehmen Uniper an seine Aktionäre abgegeben – pro zehn Eon-Aktien bekamen Eon-Aktien eine Uniper-Aktie ins Depot gelegt.
Eon nimmt mit dem Uniper-Börsengang kein Geld ein. Der Energiekonzern hatte seinen Aktionären 53,35 Prozent der Uniper-Anteile ins Depot gebucht….“

Meiner Meinung nach ist die UNIPER-Aktie ein reines Zocker-Papier, das aufgrund der trüben Marktaussichten nicht für ein längerfristiges Engagement taugt. Man kann es auch grob ausdrücken – das Papier ist die Bad Bank von E-on, mit der E-on sich Probleme für die Zukunft vom Halse schafft und dafür auch noch von Anlegern versilbern lässt. Geht UNIPER in die Insolvenz, hat E-on damit nichts mehr zu tun und der Steuerzahler kann sehen, was er mit den Altlasten macht. Hätte UNIPER tatsächlich Potential, wären die Kaufleute von E-on die letzten, die dieses Potential nicht selber zu heben bereit gewesen wären.

An dieser langfristigen Einschätzung meinerseits ändert auch der seit Markteinführung der Aktie durchaus vorhandene Kursgewinn nicht wirklich etwas.

Es liefen Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und der Energiewirtschaft darüber, dass die Energiewirtschaft die zurückgestellten Beträge für die Endlagerung des Atommülls in einen öffentlich-rechtlichen Fond überträgt und dafür von den Entsorgungsverpflichtungen befreit werden. Da die Rückstellungen voraussichtlich nicht ausreichen werden, wird der Staat viel Geld für die Übernahme der Verpflichtungen in die Hand nehmen müssen – so viel ist heute schon klar.
Aber – selbst das dürfte wohl nicht funktionieren, weil die Ausgliederung der Problembranchen in eine Bad Bank für die Industrie billiger ist.

Das bestehende Gesellschafts- und Insolvenzrecht schreit ja förmlich danach für derart schwierige Entsorgung- und Sanierungspläne missbraucht zu werden. Herr Gibs Nich aus Gabs Nie ist kein geeigneter Partner für gewinnbringende Geschäfte.

Die Folge solcher Deals muss sein, sich mal intensive Gedanken darüber zu machen, wie man den Steuerzahler vor solchen Übergriffigkeiten der Wirtschaft abschirmt.

Kautionen sind schön und gut – man muss sie fordern. Man muss sie durchsetzen… und zwar bevor der Schaden beginnt. Nicht erst dann, wenn der Staat durch bereits eingetretene Schäden in der Defensive ist.