Quelle: Frank Neumann

Theorie trifft Wirklichkeit – Stimmen einer bunte Mischung von Senioren bis zum Reichsbürger

Straßenwahlkampf ist immer höchst kommunikativ, aber auch lehrreich. Man wird mit verschiedenen Lebenslagen von Menschen konfrontiert, mit denen man in seinem eigenen Leben nur gelegentlich in Berührung kommt. Zusammen mit meinem Eberswalder Parteifreund Frank Neumann baute ich am heutigen Samstag in Eberswalde-Finow einen Infostand auf, um mit Eberswalder Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Frank und ich führten viele Gespräche und verteilten viel Infomaterial zur Bundestagswahl. Darunter waren einige Gespräche, die es verdienen, hier erwähnt zu werden.

Da war eine Seniorin, die mir berichtete, dass sie von ihrer Rente ihre in Berlin lebenden Enkel unterstützen würde, welche aufgrund der Höhe der monatlichen Miete in Verbindung mit einem zu geringen Einkommen kaum über die Runden kämen.

Ein Mann berichtete mir, dass er drei Minijobs ausüben würde, weil seine ursprüngliche Stundenzahl vom Arbeitgeber so weit heruntergekürzt worden wäre, dass der Verdienst nicht mehr zu Leben reicht. Aufgrund seiner kaputten Schultern nach Jahrzehnten schwerer Arbeit auf dem Bau sei es aber bisher auch nicht möglich gewesen, eine Arbeit mit auskömmlicher Stundenzahl zu bekommen.
Seine Frau sei gekündigt worden, als die die Stundenkürzungen nicht mitmachen wollte. Die Entlohnung würde vom Jobcenter aufgestockt.

Ein anderer Mann regte sich darüber auf, dass Wirtschaftslobbyisten scheinbar mehr zu sagen hätten, als die Politik. Er traue der Politik nicht mehr die Kraft zu, dieser Einflussnahme Einhalt zu bieten und er wolle deswegen nicht mehr wählen gehen.

Eine Seniorin lobte das Pflegeheim, das sie mittlerweile wieder so gut aufgepäppelt habe, dass sie mit ihrem Rollator auch mal auf die Straße könne.

Ein Mann berichtete mir in einem angenehmen Gespräch von Suchterkrankung und Haftzeit. Nunmehr befasse er sich zum ersten Mal mit einer Wahl. Vorher hätte er nie gewählt.

Eine Frau ließ sich von mit den Zusammenhang zwischen Klimawandel, Energiewende und Ausstieg aus dem Kohle erklären, weil ihr nicht klar war, ob und wie das Zusammen hängt.

Eine andere Frau mit Kindern wollte den Zusammenhang zwischen Nitratbelastung im Grundwasser und Landwirtschaft erklärt bekommen.

Das „Highlight“ des Vormittags war aber ein Mann, den ich als sogenannten „Reichsbürger“ o.ä. einstufen würde, welcher mich in einem höchst aggressiven Tonfall neben anderem kruden Zeug belehrte, dass Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder im Jahr 2010 die Deutschen staatenlos gemacht hätte. Er beschimpfte mich als Lügner, nachdem ich ihm erklärte, dass Angela Merkel den Gerhard Schröder bereits 2005 ablöste und demzufolge das krude Zeug von per se nicht stimmen könne.
Letzteres gehörte zu der Sorte von Gesprächen, die die Welt nicht braucht. Aber die gehören zur Lebenswirklichkeit halt dazu.

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld