VERDI-Aktion zur Personalausstattung im Krankenhaus

Mich erreichten mehrere gleichlautende Emails von Mitgliedern der Gewerkschaft VERDI zur Personalausstattung im Krankenhauswesen.

Sehr geehrter Herr Bundestagskandidat Thomas Dyhr,

in den Krankenhäusern fehlen bundesweit 162.000 Beschäftigte, davon allein 70.000 in der Pflege. Konsequenz ist: Die Qualität der Versorgung sinkt, die Arbeitsbelastung ist unerträglich. Menschen müssen sich darauf verlassen können, im Krankenhaus gut und sicher versorgt zu werden. Dafür trägt der Gesetzgeber die Verantwortung. Er muss den Krankenhäusern verbindliche Personalvorgaben machen. Das ist die Forderung von ver.di – und auch meine! Was wollen Sie unternehmen, um die Personalausstattung in den Krankenhäusern zu verbessern? Die Antwort darauf wird meine Wahlentscheidung beeinflussen.

***************************************************************************************
Meine persönliche Nachricht:

Sehr geehrter Herr Dyhr,
ich bin selber Krankenschwester. Zur Zeit aber krank zuhause weil meine Arbeit mich kaputt gemacht hat. Jetzt geht es meinen Kollegen und Kolleginnen so, weil sie für mich einspringen müssen. Das ist ein unendlicher Kreislauf auf Grund notorischer Überlastung wegen viel zu wenig Pflegepersonal. Wenn ich wieder arbeiten gehe fällt der nächste aus usw usw. Mir macht meine Arbeit Spaß u es tut mir in der Seele weh nicht mal Zeit für persönliche Worte für die Patienten zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
XXXXXMeine Antwort hierzu lautet:

Meine Antwort hierzu lautet:

Sehr geehrte Frau XXXXX,

die Probleme mit der Arbeitsüberlastung im Krankenpflege- und Pflegebereich sind mir bekannt. Es ist für mich kaum erträglich, wie ökonomische Sachzwänge auf die Arbeit am Patienten durchschlagen.
Ich habe aber Zweifel, dass verbindliche Vorgaben alleine, wie Sie das vorschlagen, das Problem lösen können. Regelungen können nur dann wirksam sein, wenn deren Einhaltung auch konsequent kontrolliert und bei Verstößen auch sanktioniert wird.

Wenn ich mir anschaue, wie überlastet der Zoll alleine schon bei der Schwarzarbeitüberwachung im Bewirtungsgewerbe und Baubereich ist und wie aus personellen Gründen die Kontrolldichte absackte, fehlt mir der Glaube am effizienten Vollzug neuer Regelungen. (Vergl. http://www.mueller-gemmeke.de/finanzkontrolle-schwarzarbeit-immer-weniger-kontrollen/)
Auch die Strafverfolgungsbehörden (…dazu gehört der Zoll…) laufen mit dem Rücken zur Wand und sind möglicherweise nur unzureichend eine Hilfe.

Ich denke, dass neben tarifvertraglichen Regelungen, wie sie in der Charite erstritten wurden, die Krankenhausfinanzierung der richtige Hebel sein könnte. Die ausgehandelten Bedingungen zwischen Kosten- und Leistungsträger können zwischen den Vertragspartnern kontrolliert und ausgeglichen werden, ohne den Umweg über ein Strafverfahren zu nehmen. Es macht keinen Sinn, Krankenhäuser auf der Kostenseite durch auferlegte Regeln unter Druck zu setzen und nicht gleichzeitig auch für eine auskömmliche Finanzierung zu sorgen, denn sonst provoziert man den Rechtsbruch durch Umgehung des Regelwerks.

Das bedeutet für mich aber auch, dass endlich Schluss sein muss mit der unsäglichen Privatisierung von Krankenhausleistungen, welche letztlich dazu führt, dass von den Pflegesätzen die Dividenden der Aktionäre von FRESENIUS, ASKLEPIOS, RHÖN-KLINIKUM & Co. erwirtschaftet werden – also Beträge aus dem System abfließen, statt im System zu bleiben.

Ein Krankenhaus ist für mich Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und damit gehören Krankenhäuser für mich in öffentliche Hand. Hieraus folgt für mich aber auch, dass die Kosten für Gebäude/ Gebäudeunterhaltung und -Bewirtschaftung nicht in die Pflegesätze hineingerechnet werden sollten, sondern den öffentlichen Trägern auferlegt werden und damit auf der Kalkulation der Pflegesätze herausgerechnet werden. Hierdurch ergäben sich Spielräume, mit denen eine auskömmlichere Personalausstattung und vor allem auch eine leistungsgerechte Entlohnung der unterbezahlten Pflegekräfte bezahlt werden könnten, ohne die Beiträge zur Sozialversicherung exorbitant durch die Decke schießen zu lassen.

In der beigefügten Grafik (Quelle: Statistisches Bundesamt) können Sie unschwer erkennen, dass über die Jahre hinweg der pflegerische Bereich in den Krankenhäusern gegenüber dem ärztlichen Bereich vernachlässigt wurde. Hier schlugen tarifvertragliche Regelungen für Krankenhausärzte zu Buche. Das belegt auch die Wirksamkeit tarifvertraglicher Regelungen, belegt aber andererseits auch, dass man bei der Aushandlung von Verträgen sein Augenmerk darauf richten muss, dass nicht ein Leistungserbringer andere kannibalisiert.
Das in aller Kürze und nicht in die Tiefe ausformuliert. Was davon möglicherweise umsetzbar sein wird, entscheiden die Wählerinnen und Wähler mit ihrer Entscheidung am 24.09.2017.

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld